Sitzung: 09.09.2008 Umwelt-, Bau-, Planungs- und Verkehrsausschuss
Herr Vorsitzender Wagner führt die Ausschussmitglieder durch das NSG "Lohhügel” bei Ruppertsburg. Das NSG Lohhügel ist eines der 7 Naturschutzgebiete, die zu dem Gebiet "Basalthügel des Vogelsberges im Randbereich zur Wetterau" zählt und liegt im FFH-Gebiet.
Ziel der FFH-Richtlinie ist die Bewahrung der biologischen Vielfalt in Europa. Durch den Aufbau des europaweit vernetzten Schutzgebietsystems "NATURA 2000" sollen natürliche Lebensräume, bedrohte Pflanzen und Tierarten in einem günstigen Erhaltungszustand bewahrt werden. Zweck der Unterschutzstellung ist es, das Landschaftsmosaik aus Trifthafer-Magerrasen, Glatthaferwiesen, ausgedehnten Heckenstrukturen, einem Streuobstbestand und ruderalen Saumgesellschaften als Standort seltener und bestandsgefährdeter Pflanzen und Tierarten zu erhalten und langfristig zu sichern. Pflegeziel ist insbesondere die Regeneration der Magerrasen, Glatthafer- und Streuobstwiesen durch externe Schafbeweidung mit Nachmahd der Flächen mit Landreitgras, Fiederzwenke und Schlehenaufwuchs.
Die
genannten Arten werden von Schafen nur ungenügend abgefressen und müssen im
Sommer vor Einlagerung der Reservestoffen in die Wurzel zurückgeschnitten
werden. Der Streuobstbestand ist überaltert, verbuscht und in schlechtem
Pflegezustand. Schützenswertende Arten auf dem Lohhügel sind der
Trifthafer-Magerrasen mit wildem Thymian, Heide-Nelke und die artverwandte
Karthäusser-Nelke, das niedere Labkraut, Stechginster und die stengellose
Kratzdistel sowie die Wacholder, die es sonst in der gesamten Gemarkung Laubach
nicht gibt. Von 20 vorkommenden Schmetterlingsarten stehen 5 auf der “roten
Liste” der aussterbenden Tierarten. Bei 10 vorkommenden Heuschreckenarten
befindet sich eine auf der Vorwarnliste. Die Feldgrille ist als gefährdet
eingestuft. Neben Rehen und Wildschweinen findet man hier die Zauneidechse.
Der Erhaltungszustand wird als gut eingestuft. Damit gilt das "NSG Lohhügel" als das beste der 7 Naturschutzgebiete.
Bei der Begehung zeigt Herr Wagner diesen Teil, bei dem die Hecken zurückgenommen wurden. Hier ist der Boden mit der kleinblütigen Königskerze (Pionierpflanze) übersät. Weiter weist er auf das flächenmäßig hohe Aufkommen des Land-Reitgrases hin, das von den Schafen nicht angerührt und so von Hand gemäht werden muss, um es mit der Zeit zurückzudrängen. Das Land-Reitgras unterdrückt durch seine Größe (bis 150 cm) wertvolle Pflanzen. Ein weiteres Problem ist der Schlehenaufwuchs. Hier werden die Triebspitzen zwar von den Schafen verbissen, der Rest der Pflanze aber nicht angerührt, so dass auch hier bis Juni mit dem Freischneider die Bestände bodengleich abgemäht werden müssen, um eine weitere Ausbreitung zu unterbinden. Der verbuschte Streuobstbestand soll entbuscht, gepflegt und ggf. mit Neupflanzungen ergänzt werden.
In
der Gesamtbeurteilung kann Laubach stolz sein, neben dem Feuchtbiotop
"Silbach" das Halbtrockenbiotop "Lohhügel" mit seiner
Artenvielfalt zu haben.
